Städtetrip

Neun Perlen im Osten der Niederlande

  • Lesezeit 5 Minuten
  • 612 x bekeken

Hip, modern und in historischem Gewand: Die Städte Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem, Zwolle, Hasselt, Kampen, Elburg und Harderwijk eint ihre Vergangenheit als Mitglieder der Hanse. Der Glanz der früheren Blütezeit ist nach wie vor spürbar. Hinzu gesellen sich Geschäftigkeit und Lebensfreude. Jede der niederländischen Hansestädte hat dabei ihre ganz eigene Note.

Die Hanse erstreckte sich im Mittelalter über weite Teile Mittel- und Nordeuropas. Auch in den Niederlanden hat sie ihre Spuren hinterlassen. Insgesamt schlossen sich im westlichen Nachbarland 22 Städte dem Handelsbündnis an. Die meisten niederländischen Hansestädte liegen im Osten des Landes, allesamt verbunden durchs Wasser. Während die heutigen Metropolen Rotterdam und Amsterdam zu Hansezeiten noch kleine Dörfer waren, hatten die Hansestädte sich längst zu mächtigen Handelszentren entwickelt. Vom damaligen Reichtum zeugen auch heute noch eine Vielzahl gut erhaltener Kaufmannshäuser und beeindruckender Handelskontore in den historischen Zentren. Dank der imposanten Befestigungs- und Wehranlagen können sich die Besucher gedanklich auf eine Zeitreise in die ruhmreiche Vergangenheit der niederländischen Hansestädte begeben – beispielsweise auf dem Fahrrad.

Städteurlaub mit Naturanschluss

Das Wegenetz für Radwanderer ist engmaschig und dank eines ausgefeilten Knotenpunktesystem hervorragend ausgeschildert. Besucher der Region durchqueren eine enorme Vielfalt an Landschaften. Den roten Faden für die Städtetour bildet dabei das Flüsschen IJssel. Eine Besonderheit sind die zahlreichen Fahrradfähren. Es ist immer wieder ein Erlebnis, auf diese Weise den Fluss zu überqueren. Die Fahrradfähre Haersterveer ist die letzte handgezogene Fähre der Niederlande und zeichnet sich durch ihre wunderschöne Lage aus. Das Radeln bleibt dabei immer entspannt, denn die Entfernungen zwischen den einzelnen Städten sind überschaubar. Alles spielt sich in einem Umkreis von 100 Kilometern, direkt hinter der deutsch-niederländischen Grenze, ab. In den Städten garantieren kleine charmante Geschäfte einen stilsicheren Einkaufsbummel. Viele interessante Museen und gemütliche Cafés und Restaurants versüßen den Aufenthalt zusätzlich. Insbesondere an Tagen, wenn das Wetter einmal nicht so recht mitspielen möchte.

Harderwijk
Harderwijk

Tourauftakt im Süden

Als möglicher Startpunkt bietet sich Doesburg an, das seine Stadtrechte bereits 1237 erhielt – rund 60 Jahre vor Amsterdam. Mehr als 150 Gebäude in der Innenstadt stehen unter Denkmalschutz. Das reiche kulturelle Erbe ist auf Schritt und Tritt spürbar. Ein Grund, wieso der Stadtkern schon mehrfach als Kulisse für Kinofilme diente.

Weiter geht es an der IJssel entlang Richtung Norden in das rund 20 Kilometer entfernte Zutphen, das auch die Turmstadt genannt wird. Zurecht, wie ein Blick auf die „Skyline“ beweist. Während der Hansezeit verschifften die Zutphener Händler Hering, Butter und Bier in die anderen Hansestädte. Damals zählte die Stadt noch vierzig Bierbrauereien, von denen heute noch eine übrig ist: die Stadtbrauerei Cambrinus in der Innenstadt. Hinter vielen Fassaden verbergen sich originelle Läden und ungewöhnliche Boutiquen. Die großen Handelsketten sucht man in Zutphen vergebens.

Ein Tipp für Leckermäuler: der „Deventer Koek“

Die nächste Station ist das elegante Deventer. Dort steht das Proosdij, das älteste Steinhaus der Niederlande, das aus dem 12. Jahrhundert stammt. Altbacken geht es im Zentrum trotzdem nicht zu. Ganz im Gegenteil. Deventer ist lebendig und vital; es gibt viel zu erleben. So stehen nicht weniger als neun Museen zur Wahl. Ein Tipp für Leckermäuler ist die Spezialität der Stadt, der „Deventer Koek“. Die Weite der Flusslandschaft zieht seit Jahrhunderten Künstler und Maler nach Hattem. Der pittoreske Festungsort liegt zwischen dem nördlichen Rand der Veluwe und der IJssel. Schokoladenfreunde kommen im Pralinengeschäft A3 auf ihre Kosten. Die Weiterfahrt nach Zwolle dauert mit dem Fahrrad ungefähr eine halbe Stunde. Dort ist das Kunstmuseum de Fundatie ein Blickfang. Es wirkt geradezu außerirdisch. Nicht umsonst wird der ellipsenförmige Kuppelbau des Museums wahlweise als „die Wolke“, „der Zeppelin“ oder „das Ufo“ bezeichnet. Beeindruckend ist auch die hohe Dichte an Restaurants und Cafés in Zwolle.

Zwolle
Zwolle

Wendepunkt im Norden

Den nördlichsten Punkt der Tour durch die Hansestädte markiert Hasselt, das auf einer Flussdüne erbaut wurde. Es zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten der Niederlande. Von dort aus geht weiter in das südwestlich gelegen Kampen, wo traditionelle Handwerkskunst noch ein Zuhause hat. Einst gab es in der Stadt hundert Zigarrenfabriken. Eine davon ist immer noch aktiv; pro Woche werden hier 80.000 Zigarren gefertigt. Feuer und Rauch gibt es auch in der Schmiede, wo ein Schmied heißes Eisen auf Jahrhunderte bewährte Weise formt.

Die vorletzte Station der Reise durch die niederländischen Hansestädte bildet Elburg. Bis 1932 befand sich der ehemalige Fischerort an der Zuiderzee. Mit dem Bau des Abschlussdeichs verlor die Fischerei an Bedeutung. Die alten Holzschiffe und Botter (Flachbodenschiffe), die noch im Hafen liegen, erinnern an die maritime Tradition. Ebenfalls am Wasser liegt Harderwijk, das den krönenden Abschluss der Reise durch die Hansestädte bildet. Hier kann man bei einem leckeren Essen die Eindrücke Revue passieren lassen. Ganz nach persönlichem Geschmack mit einem Picknick am Strand oder in einem der drei Restaurants, die mit einen Michelin-Stern ausgezeichnet wurden. Köstliche Speisen standen schon in der Hansezeit hoch im Kurs…

Elburg
Elburg

Weitere Informationen insbesondere auch für Ausflüge, die der aktuellen Situation Rechnung tragen. #Hiermusstdusein